Verfasst von: Enrico Kosmus | 27. April 2017

Die Welt als Geschenk

Bei der Mandala-Opferung wird die gesamte Welt als äußere Opfergabe dargebracht. Dies wird durch eine spezielle Mudra symbolisiert. Anfänger tun sich damit oft schwer, aber ich versuch’s mal zu beschreiben. Man legt Ringfinger Rücken an Rücken und verschränkt kleine Finger mit dem Daumen der gegenüberliegenden Hand und mit den Zeigefingern drückt man auf die ersten Fingerglieder der gegenüberliegenden Mittelfinger.
Die Bedeutung dieser Geste ist folgende: die aufrechten Ringfinger stellen den Berg Meru – den Weltenberg – dar. Die vier Fingerpaare rundum sind die vier Hauptkontinente mit Videha im Osten, Jambudipa im Süden, Godaniya im Westen und Uttarakuru im Norden. Wenn man will, kann man vorab noch etwas Reis in die Handflächen legen. Diesen „wirft“ man am Ende, was das Darbringen symbolisiert. Oder man legt stattdessen die Mala zweimal umwickelt in die Hand, die dann der umgebende Ring aus Eisenbergen ist.
Zusätzlich visualisiert man neben den vier Hauptkontinenten noch jeweils zwei Nebenkontinente, dann den kostbaren Berg, den wunscherfüllenden Baum, die wunschgewährende Kuh, das Getreide, das ohne Mühe wächst, das kostbare Rad, das kostbare Juwel, die kostbare Königin, den kostbaren Minister, den kostbaren Elefant, das kostbare Pferd, den kostbaren General, die Vase der großen Schätze, dann die Göttin der Schönheit, die Göttin der Girlanden, die Göttin des Gesangs, die Göttin des Tanzes, die Göttin der Blumen, die Göttin des Räucherwerks, die Göttin des Lichts, die Göttin der Düfte, sowie Sonne, Mond, den kostbaren Sonnenschirm und das Siegesbanner des vollständigen Sieges zusammen mit dem gesamten Reichtum und der ganzen Pracht und Herrlichkeit der Götter und Menschen. Alles das ohne Ausnahme bringt man den Drei Juwelen und den Drei Wurzeln dar.

Symbolik der Gabe

Beim Mandala-Opfer gibt es vier Arten: 1) das äußere Opfer; 2) das innere Opfer; 3) das geheime Opfer; und 4) das Soheits-Opfer.
Bei der äußeren Opfergabe werden alle Dinge dargebracht, die man als wertvoll erachtet, wie z.B. Gold, wertvolle Metalle, Edelsteine, Reichtümer usw. Als Gaben werden tatsächlich vorhanden, wie auch im Geiste hervorgebrachte Dinge dargeboten.
Als innere Opfergabe wird der eigene Körper dargebracht. Die Geste dafür bleibt gleich, jedoch wird die Wirbelsäule zum Berg Meru, die vier Gliedmaßen zu den vier Kontinenten, die Körperflüssigkeiten das Weltenmeer usw.
Als geheime Opfergabe werden die fünf Geistesgifte in ihrer gereinigten Form als die fünf Fleische und fünf Nektare dargebracht.
Das Soheits-Opfer wird dadurch verwirklicht, indem man die Darbringung frei von den drei Kreisen – Geber, Empfänger, Gabe – ist.

Durchführung

Es gibt 2 Arten von Mandala:

  1. das Mandala.des Erlangens und
  2. das Mandala, das es zum Opfern gibt.

Mit dem Ersten meint man das Objektmandala. Es soll aus Silber oder Gold sein mit Juwelen (oder sonst aus Lehm, Stein oder Holz). Ein Gold- oder Silbermandala muss nicht höher als 4 Finger sein, wenn man ein Lehm-, Stein- oder Holzmandala nimmt, dann soll es eine Elle lang sein.
Dann sammelt man alle Arten von Getreide: Gerste, Reis usw. … und wäscht sie und vermischt sie mit Juwelenstaub und färbt mit gutem Safran, alles muss dann gut trocknen. Zwar nicht in der Sonne oder beim Feuer, sondern da wo die Sonne nicht hinkommt, sonst würde es zu Gift werden. (Es ist gut, dieses Getreide auf den Flachdächern bei Mondlicht und Sternen zu trocknen und zu reinigen). Wenn alles trocken ist, wird es in einer Ecke angehäuft.
Im Retreat darf man natürlich nicht darüber gehen. Es muss ganz rein gehalten werden, man behandelt es wie alle anderen Ritual und Opfergegenstände wie Glocke, Vajra oder Texte: man darf nicht darüber steigen, weil man sich dadurch Fehler schaffen würde.
Auch auf das Opferwasser oder die Torma soll man nicht treten es ist schlecht für uns. Alles, was wir geopfert haben, soll an einen reinen Ort gestellt werden. Dann reinigt man die Mandalafläche und poliert sie, während man ununterbrochen das Vajrasattva-Mantra rezitiert.
Wir polieren die Oberfläche blank wie einen Spiegel (mit der Hand) und stellen- uns dabei vor, dass wir den Geist aller Lebewesen von allen Befleckungen blank polieren wie einen Spiegel. Dann muss man eine Schale mit Safranwasser vor sich stellen und die Mandalafläche damit benetzen.
Wenn wir die Mandalafläche nicht gut reinigen können, dann heißt das, dass wir im nächsten Leben dumm sein werden. Wenn wir sie nicht mit Safranwasser benetzen, werden wir in einer trockenen Gegend wiedergeboren.
Zuerst macht man 5 Haufen Reis, sehr gut, wie 5 Tormas. In der Mitte ist der Lama, herum die Yidams, Buddhas, Dharma und Sangha – es soll eine Vorstellungsstütze unserer Zuflucht sein.
Der Reis für die Mandala-Opferung wird am besten jeden Tag, ansonsten aber doch regelmäßig gewechselt. Der gebrauchte Reis wird den Vögeln geopfert. Entweder streut man ihn auf das Flachdach oder man bringt ihn auf hohe Berge.

Mandala-Opferung

7-Punkte-Mandala

ཞེས་ཚོམ་བུ་སོ་བདུན་མ་ཡོངས་གྲགས་ལྟར་བཀོད་ཅིང་སོ་སོའི་དམིགས་པ་གསལ་བས་འབུལ་ལ།

Dann das Mandala-Opfer der sieben Punkte, wobei man die Visualisation wie vorher hält:

ས་གཞི་སྤོས་ཆུས་བྱུགས་ཤིང་མེ་ཏོག་བཀྲམ། །རི་རབ་གླིང་གཞི་ཉི་ཟླས་བརྒྱན་པ་འདི།
SA ZHI PÖ CHÜ JUG SHING ME TOG TRAM / RI RAB LING ZHI NYI DÄ GYÄN PA DI /
Der Grund ist mit duftendem Wasser benetzt und mit Blumen besprenkelt, geschmückt mit dem Berg Meru, den vier Kontinenten, Sonne und Mond,

།སངས་རྒས་ཞིང་དུ་དམིགས་ཏེ་ཕུལ་བ་ཡིས། །འགྲོ་ཀུན་རྣམ་དག་ཞིང་ལ་སྤྱོད་པར་ཤོག
SANG GYE ZHING DU MIG TE PHUL WA YI / DRO KÜN NAM DAG ZHING LA CHÖ PAR SHOG //
visualisiere ich das als ein Buddha-Feld und bringe es dar. Mögen dadurch alle Wesen sich an den reinen Bereichen erfreuen!

ཨི་དཾ་རཏྣ་མཎྡལ་ཀཾ་ནིརྱཏ་ཡཱ་མི།
IDAM RATNA MANDALA KAM NIRYATA YAMI //

Einen Praxistext für das 37-Punkte-Mandala in Verbindung mit dem 7-Punkte-Mandala findet ihr auf rangdrol’s Blog im Download-Bereich bei den „Allgemeinen Gebeten“.

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