Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. September 2017

Mantra – Zauberspruch?

Eine kurz zusammengefasste Erklärung über Mantra und seine Bedeutung.

mantra-139634_1920Im Fahrzeug des Geheimen Mantras (tib., gsang sngags thegs pa), dem Vajrayana, das ja für die Mantra-Rezitation berühmt ist, gibt es verschiedenste Mantras, die für bestimmte Zwecke verwendet werden. Gewöhnlich gibt es 3-4 Phasen in der Mantra-Rezitation: die Phase 1) der Annäherung; 2) der Vollendung; und 3) der Aktivität. Die Annäherung dient dazu, sich selbst als die visualisierte Meditationsgottheit zu erfassen. Die Phase der Vollendung dient dazu den Segen der Buddhas und Bodhisattvas zu erlangen und die fühlenden Wesen zu reinigen. Die Phase der Aktivität kann aus einem oder mehreren Mantras bestehen und dient dazu, die vier erleuchteten Handlungen – Befrieden, Vermehren, Magnetisieren (Kontrollieren) und kraftvolles Befreien – auszuführen. Darüber hinaus gibt es noch andere nützliche Aktivitäten, die durch die Mantra-Kraft ausgeführt werden. Die Mantra-Kraft ist nicht dem Mantra innewohnend, sondern wird durch die einspitzige Versenkung (Samadhi) in die Visualisation und die intensive Wiederholung des Mantras hervorgerufen. Und damit das dann auch funktioniert, muss die Rezitation auch noch mit den essentiellen Punkten der Gottheitenpraxis ausgestattet sein. Dazu zählen die 1) die Klarheit der Visualisation; 2) der sog. „Gottheitenstolz“ – also das Vertrauen und Wissen, dass man diese Meditationsgottheit ist; und 3) die reine Sicht – d.h. das Wissen um die Symbolik der Meditationsgottheit.
Grundsätzlich ist für die Praxis mit dem Mantra einer Meditationsgottheit ein dreifacher Prozess erforderlich: 1) Ermächtigung (Einweihung) in die spezielle Praxis; 2) Textübertragung; und 3) aufzeigende Erklärungen. Lediglich wenige Mantras können ohne Ermächtigung ihre Wirkung entfalten, dazu gehören z.B. das Mani-Mantra oder das Tara-Mantra oder das Vajra-Guru-Mantra.

Allgemeine Mantras

Es gibt auch allgemeine Mantras, für die es keine Ermächtigung gibt, die aber in vielen Praktiken vorkommen und einen 1) bestimmten Erkenntniszustand zum Ausdruck bringen oder eine 2) bestimmte Handlung begleiten. Ad 1) hier wäre z.B. die Erkenntnis, dass alle Phänomene leer von Eigennatur sind und man selbst auch leer von Eigennatur ist. Ausgedrückt durch das Mantra „OM SWABHAVA SHUDDHO SARWA DHARMA SWABHAVA SHUDDHO NYA HAM“. Das wiederholt man nicht, sondern spricht es einmal und verweilt in einem Zustand der offenen Weite der Natur des Geistes. Ad 2) wäre ein „RAM YAM KHAM / OM AH HUM“, wobei mit dem ersten Teil Opfergaben durch Feuer, Wind und Wasser von der Auffassung einer substanziellen Eigennatur und dem Greifen danach gereinigt werden und der zweite Teil ist die Segnung mit Körper, Rede und Geist der Erleuchtung, wobei die Opfergaben durch Mantra und Samadhi in einen Nektar verwandelt werden, der die Sinnesgenüsse aller Wesen zufriedenstellt und dann vermehrt wird. Von solchen anlassbezogenen Rezitationen gibt es einige, die im Kontext längerer Aktivitätspujas verwendet werden. In kürzeren Visualisations- und Rezitationspraktiken kommen meist nur 1-2 Mantras vor, manchmal gar nur das allgemeine Mantra zur Annäherung an die Meditationsgottheit.

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