Verfasst von: Enrico Kosmus | 13. Mai 2015

Körperhaltung – Meditation – Winde – Geistesgifte

Yogi_Kanäle1Die Haltung des Körpers findet in allen buddhistischen Schulen besondere Erwähnung, da der Körper als Methode eingesetzt wird. In tantrischen Dharma-Tradition kommt dem Körper im Rahmen der Meditation wie auch besonders bei den yogischen Energieübungen eine besondere Bedeutung zu.
Da durch die Körperhaltung die inneren Winde gelenkt werden, versuchen Praktizierende eine möglichst aufrechte und entspannte Haltung während der Meditation einzunehmen. Auf diese Weise können sich die inneren Winde mühelos im Nabelzentrum sammeln und im Zentralkanal auflösen. Dies führt zu einer natürlichen Beruhigung der geistigen Aktivitäten und somit zu einer Klarheit des Geistes. Hier nun einige Hinweise wie dies zusammenwirkt.

Die essentiellen Punkte des Körpers

Man nimmt die Sieben-Punkte Haltung des Vairocana ein. Dabei werden die Element Winde in den Zentralkanal gebracht.
Raum-Wind: Durch die Lotusposition drücken die Füße auf den Oberschenkel auf die Kanäle der Emotionen. Der Raum-Wind geht in den Zentralkanal. Raum-Wind ist verbunden mit dem unteren Ende des Zentralkanals. Das Geistesgift Eifersucht wird befriedet.
Wasser-Wind: Durch die Handhaltung rechts und links vier Finger unterhalb des Nabels geht der Wasser-Wind, der im Herzzentrum sitzt und das Leben hält in den Zentralkanal. (Alternativ: die Vajra Fäuste werden in die Weichen gestemmt.) Das Geistesgift Hass wird befriedet
Erd-Wind: durch die aufrechte Wirbelsäule und die geraden Schultern geht der Erd-Wind, der im Nabel-Chakra sitzt und mit Hitze verbunden ist in den Zentralkanal. Geistesgift Unwissenheit wird befriedet.
Feuer-Wind: durch das leichte Beugen des Nackens und Anlegen der Zungenspitze am Gaumen geht der Feuer-Wind der normalerweise in der Kehle sitzt in den Zentralkanal. Das Geistesgift Gier/Verlangen wird befriedet.
Wind-Wind: durch die offenen Augen die auf die Nasenspitze schauen geht der Wind-Wind, der in allen Gelenken sitzt in den Zentralkanal. (Alternativ: die Augen werden nach oben gedreht und fixieren starr einen Punkt 16 Finger breit im Raum.) Das Geistesgift Stolz wird befriedet.
Hat man durch die aufrechte Körperhaltung die inneren Winde im Zentralkanal gesammelt, dann klären sich auch die Geistesgifte von selbst. Somit ist es ein leichtes eine klare Meditation der Erzeugungsstufe durchzuführen.
Warum bringt man sich nun selbst als Meditationsgottheit hervor? Im gewöhnlichen Geisteszustand verharren wir in einer verdinglichten Auffassung von uns und anderen. Wir haben uns in diesem Alltagszustand in unserer Identität gemütlich eingerichtet und hoffen, diese persönliche Identität beibehalten zu können. Doch wir bemerken, dass dies kein fixer Zustand ist und daher greifen wir unentwegt nach bestätigenden Eindrücken und wehren Dinge ab, die unsere vermeintliche Identität gefährden könnten. Doch so gelangen wir nie zu einem stabilen Gewahrseinszustand, auf den wir uns wirklich verlassen können.
Durch die Praxis der Erzeugungsstufe reinigen wir einerseits unsere gewöhnlichen Auffassungen auf sehr tiefgründige Weise und andererseits dienen die verschiedenen meditativen Abschnitte wie z.b. das Verweilen in den Drei Samadhis, die elementare Entstehung von Gottheit und Mandala als Selbst- und Weltschöpfung als „Semdzins“ – als Stützen der Konzentration des Geistes über die nachfolgend der gewöhnliche Geist in einen kontemplativen Zustand übergeführt werden kann.

Die Konzentration des Geistes

Um den Geist fest zu halten (sems ’dzin): man konzentriert sich nacheinander auf den Schutzkreis, den Palast und auf die Dakini und Ihr Gefolge, ist die Visualisation klar und stabil integriert man den Geist sodass beide untrennbar werden. Hat man diese Vereinigung erreicht, so entspannt man sich etwas in den Zustand des „Gewöhnlichen Geistes“, der frei ist von Konzepten. Dies ist die „Grosse Vollkommenheit“, die innewohnende Bewusstheit und Klarheit. Wir halten diese fest und entspannen uns weiter, indem wir uns gleichzeitig weiter integrieren.
Indem wir so lernen von unserem neurotischen Greifen und Abwehren loszulassen – und da gibt’s eine ganze Menge in unterschiedlichen Feinheitsgraden – mindern wir unsere Selbstbezogenheit und wir gelangen im Laufe der Zeit in einen natürlichen Zustand des Selbstgewahrseins.
Dabei halten wir die Versenkung kurz, gerade solange, wie die Visualisation klar und intensiv ist, dann entspannen uns etwas und treten dann wieder in die aufbauende Stufe ein. Dabei werden der „beobachtende Geist“ und der „projizierende Geist“ in ihrer Nacktheit als ungetrennt erkannt.
Führt man mit diesem Wissen die Praktiken der Erzeugungsstufe aus, dann werden sich in kurzer Zeit sehr gute Erfolge einstellen.


Responses

  1. danke für die wichtigen hinweise!
    könntest du vielleicht noch etwas näher beschreiben was es bedeutet: „man konzentriert sich nacheinander auf den schutzkreis, den palast und auf die dakini und ihr gefolge“…?

    • tja, das hat mit dem aufbau einer visualisation in einer sadhana zu tun. das ist einfach der ablauf.

      • hmmm, verstehe…🙂


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