Verfasst von: Enrico Kosmus | 21. Januar 2016

Vajrakilaya – Tantra-Kraft

VajrakilayaIn den fünf Arten der Buddha-Familien gehört dieser Vajrakilaya zur Karma-Klasse, der Klasse der erleuchteten Aktivität. Jede der fünf Klassen beinhaltet die anderen vier. Daher auch in diesem Fall, obwohl Vajrakilaya zur Karma-Klasse gehört, sind die anderen – Buddha, Vajra, Ratna und Padma – von Natur aus präsent.

Zahllose Emanationen

Im Vajrakilaya-Zyklus gibt es zahllose Praktiken und Emanationen von Vajrakilaya. In seiner friedvollen Manifestation ist er Vajrasattva und natürlich das 100-Silben-Mantra. In einer weiteren Emanation ist er Dorje Namjong. Als Bodhisattva ist er Vajrapani. Als Buddha Shakyamuni in diese Welt kam, war Vajrapani einer in seinem Gefolge, und als Manifestation von Vajrakilaya beschützte er den Buddha vor Hindernissen. In einer weiteren zornvollen Emanation kennt man Vajrakilaya als Dorje Tsuktor. Als ein anderer Heruka oder zornvolle Emanation ist er als Dütsi Kilwa (Amritakundalin) bekannt, der besonders effektiv im Reinigen von Negativität, Hindernissen und negativen Gewohnheitstendenzen ist.

Kraft des Kila-Tantras

In allen Tantra-Klassen des Kilaya gibt es Methoden und Manifestationen, die mit den vier Aktivitäten in Verbindung stehen – Friede, Vermehrung, Macht und Zorn – mit Vajrakilaya als Hauptgottheit. Wenn wir die Kilaya-Tantras mit einem Baum vergleichen, um ein Gleichnis zu benutzen, dann würde die Wurzel des Baumes der Körper der tantrischen Gliederung sein, die vier Unterteilungen sind. Der Stamm des Baumes wären acht zusätzliche Tantra-Unterteilungen; die Zweige des Baumes zehn Tantras; die Blätter, drei; die Blüten, vier; die Früchte, vier. Da sind dann noch zusätzlich drei Hilfstantras, die verschiedene nützliche Gebete und Praktiken beinhalten, die alles vervollständigen. Dies ergibt auf diesen Weg insgesamt 36 Tantra-Klassifikationen des Kilaya. Wie auch immer, man kann sie nicht auf gerade diese 36 begrenzen; es gibt eine unvorstellbare Anzahl von Kilaya-Tantras und weiters zusätzliche Abteilungen darin.
Hinsichtlich des Ursprungs des Kilaya in dieser Welt, ist Kilaya eine der acht großen Meditationsgottheiten, die von den Buddhas und Bodhisattvas der drei Zeiten und den zehn Richtungen entstanden sind. Das Kilaya-Tantra wurde besonders von Dakini Lekyi Wangmo gepflegt. Sie gab diese Praxis an den indischen Meister Prabahati weiter, von diesem erhielt Guru Rinpoche sie. Als Guru Rinpoche nach Nepal ging um die Yangdak Chemchok Heruka-Praxis zu vollenden, gab es in Nepal Hungersnot, Krankheit und viele Hindernisse, die von den lokalen Geistern des Landes geschaffen wurden. Daher sandte Guru Rinpoche einen Boten zu Prabahati nach Indien um die Vajrakilaya-Tantras zu erbitten, da er wusste, dass diese Praxis notwendiger Weise zu dieser Zeit ausgeführt werden sollte. Zwei Träger brachen auf und kehrten mit den Bänden auf ihrem Rücken zurück. Sobald die Bände über die Grenze nach Nepal gelangten, verschwanden die Hindernisse einfach durch die bloße Gegenwart der Kilaya-Tantras in diesem Land.

Guru Rinpoche und Vajrakilaya

Als Guru Rinpoche in Tibet war, hatte er 25 Hauptschüler und ebenso zahllose andere Schüler. Sie alle erhielten viel Belehrungen von ihm, speziell Vollendungspraktiken und die verschiedenen Tantra-Klassen der Vollendung. Sie erhielten viele Übertragungen der Vajrakilaya-Tantras, weshalb es dazu kam, dass man verschiedene Traditionen des Kilaya kennt, wie z.B. die Gyalpo-Tradition, die Changmo-Tradition und die So-Zur-Nub-Tradition. Von all diesen kann man sagen, dass die beste Kilaya-Praxis jener Schatztext ist, der in der südlichen Richtung vom Tertön Ratna Lingpa entdeckt wurde. Sie ist deshalb die beste oder höchste Praxis des Vajrakilaya, gemäß der Tatsache, dass die Segnungen die größten sind und es ist die nützlichste, da sie die geschwindeste ist.
Die Praxis des Vajrakilaya sollte mit der Praxis von anderen Meditationsgottheiten kombiniert werden. Welche Meditationsgottheit man immer auch praktiziert, man sollte zusätzlich Vajrakilaya üben. Beispielsweise im Falle von Guru Rinpoche, als er in Yangleshö (das in Pharping, dem Kraftplatz von Nepal ist) Yangdak Heruka, die Gottheit des Geistaspekts, praktizierte, war er unfähig, die Hindernisse der Geister und Götter, die ihn plagten, aufzulösen oder umzukehren. Ohne Vajrakilaya war er unfähig, sie zu befrieden. Als er später Kilaya praktizierte, wurden alle Behinderungen abgewendet und aufgelöst, befriedet. Wenn man daher eine andere Meditationsgottheit als seine Hauptgottheit übt, und man ebenso Vajrakilaya praktiziert, dann wird Vajrakilaya wie ein Schützer sein, die Hindernisse klären und Glück, Macht und Nutzen bringen. Vajrakilaya bringt auch großen Nutzen für den Platz, an dem man praktiziert.

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series)

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series) Martin Boord macht durch seine Übersetzung ins Englische erstmals das Phur ‘grel ‘bum nag und andere verwandte Texte einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. Das Phur ‘grel ‘bum nag besteht aus Erläuterungen von Padmasambhava, Vimalamitra und Shilamanju. Es entstand während einer konzentrierten religiösen Klausur der drei Acarya in Nepal vor mehr als zwölfhundert Jahren und wurde an Yeshe Tsogyal überliefert. Dieser bemerkenswerte enzyklopädische Text markiert den Beginn der tantrisch-buddhistischen Praxis der zornvollen Visualisationsgottheit Vajrakila. Er stellt den wichtigsten Kommentar zu den Kila-Riten dar. Eingeschlossen in diese Publikation sin(…)

 


Responses

  1. Vielen Dank für die sehr inspirierende und aufschlussreiche Erläuterung zu Vajrakilaya! Möge auch der Hinweis auf Martin Boords Übersetzung für zahllose Wesen von Nutzen sein.


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