Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. November 2016

Über die Mala (Gebetskette)

moon-and-stars-bodhi-1496526_1920In verschiedenen Dharma-Traditionen findet zum Zählen der Wiederholungen eine Gebetskette (skt., mala; tib., phreng ba) eine große Verbreitung. Hier nun ein paar Gedanken von Gyatrul Rinpoche zu diesem Thema.

„Halte deine Mala geheim.“ Es ist sehr wichtig, die Mala vor Verunreinigung durch untugendhafte Personen zu behüten. Sogar eine spezielle Mala aus Bodhi-Samen oder Gold kann ihren Nutzen für jemanden verlieren. Wenn sie mit den Händen einer Person in Kontakt kommt, die eine der fünf abscheulichen Handlungen begangen hat, dann wird man beim Versuch etwas anzusammeln einfach versagen.
Allgemein ist es am besten, die persönliche Praxis einschließlich der Yidam-Bilder, Ritualgegenstände, die mit dieser Praxis zusammenhängen, wie eben Mala, Sadhana-Texte etc. vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. Die eigene Praxis ist dazu gedacht, Kraft anzusammeln, wenn man das auf geheime Weise macht, verborgen vor den Augen und Ohren anderer fühlender Wesen. Jedoch kann diese Kraft sehr leicht wie Nebel verdunsten oder kochendes Wasser in einem Topf ohne Deckel verdampfen.

Arten der Mala

Padmasambhava sagt: „Die beste Art um mit einer Mala die Anzahl der Rezitationen zu vermehren, ist eine Mala aus einer bestimmten Art Edelstein. Eine mittelmäßige Art einer Mala wird aus einem Samen von einem Baum oder einer Frucht hergestellt und eine niedrigere Art einer Mala ist aus Holz, Erde, Stein oder Medizin gemacht.“
Eine Mala, die aus Muscheln, Erde, Holz oder Samen von Bäumen oder Früchten gemacht ist, ist dafür gedacht, friedvolle Sadhanas und friedvolle Handlungen zu vollbringen. Eine Mala, die aus Gold gemacht ist, wird vermehrende Handlungen vollbringen. Eine Mala aus roter Koralle ist am Besten für das Vollbringen machtvoller Sadhanas. Eine Mala aus Stahl oder Türkis ist gut für zornvolle Aktivitäten. Eine Mala, die aus Dzi oder anderen kostbaren Steine gemacht ist, kann für alle karmischen Aktivitäten verwendet werden, die man ausführt.
Eine Mala, die aus einem Aprikosenkern gemacht ist wird die vermehrende Aktivität vollenden. Eine Mala, die aus „Lotton“ – einem winzigen, runden Samen mit einer Frucht darin – gemacht ist, wird machtvolle Aktivitäten vollenden. Eine Mala, die aus Raksha-Samen gemacht ist, wird zornvolle Praktiken vollenden. Eine Mala aus Bodhi-Samen wird alle Handlungen vollenden. Eine Mala aus den Samen eines Bodhi-Baumes wird auch friedvolle Handlungen verwirklichen. Eine Mala aus Maulbeersamen wird machtvolle Handlungen vollenden. Malas aus Mahagony-Holz werden zornvolle Praktiken vollenden. Malas aus Elfenbein, insbesondere vom Stoßzahn eines Elefanten, werden alle gewünschten Aktivitäten vollbringen.

Nutzen der Mala

Als nächstes erwähnt der Text verschiedene Arten des Nutzens, der aus den unterschiedlichen Arten von Malas herrührt. Eine Eisen- oder Stahl-Mala vervielfältigt ganz allgemein das Heilsame, das bei jeder Rezitation angesammelt wurde. Eine Kupfer-Mala vervielfältigt jede Rezitation um das Vierfache. Eine Raksha-Mala vervielfältigt jede Rezitation um das 20-Millionenfache und eine Perlen-Mala um das 100-Millionenfache. Eine Silber-Mala vervielfältigt um 100.000 und eine Rubin-Mala um 100 Millionen. Eine Mala aus Bodhi-Samen manifestiert grenzenlosen Nutzen in jeder Form der Praxis, sei es friedvoll, vermehrend, machtvoll oder zornvoll.

Eine Mala binden

Man sollte die Bedeutung einer Mala und die beste Art, sie zu binden, kennen. Man bindet die Mala, indem man drei, fünf oder neun Fäden oder egal welche Anzahl an Fäden zusammen nimmt. Drei Fäden symbolisieren die drei Kayas, fünf Fäden symbolisieren die fünf Buddhas und neun Fäden symbolisieren die neun Fahrzeuge.
Die Hauptperle – die Guru-Perle – kann aus drei Kugeln gemacht sein, die die drei Vajra-Zustände des Seins symbolisieren, die drei Kayas. Die kleinste Perle an der Außenseite sollte blau sein, vielleicht aus Lapislazuli gemacht. Die Farbe Blau symbolisiert den unwandelbaren Geist der letztendlichen Wahrheit. Die Kugel in der Mitte sollte rot sein, um die Vajra-Rede zu symbolisieren und die innerste Kugel sollte weiß sein, um den Vajra-Körper zu symbolisieren.

Segnung der Mala

Die Mala soll von einem Lehrer gesegnet werden und man sollte die Mala selbst beständig segnen, indem man sie mit Energie durchflutet. Man muss die Energie vor dem Rezitieren in die Mala bringen, damit man wirklich einen Nutzen davon hat. Man sollte Mund und Hände reinigen, bevor man die Mala verwendet. Man sollte sie auch mit duftendem Sandelholzöl salben.
Als nächstes bringt man sich selbst als Gottheit hervor, legt die Mala in die linke Hand und hält sie so, dass die Guru-Perle vertikal in der Mitte ist. Man rezitiert das Mantra, das alle Dharmas (Phänomene) in das Gewahrsein ihrer wahren Natur verwandelt: OM SWABHAVA SHUDDHO DHARMA SWABHAVA SHUDDHO HAM. Dieses Mantra reinigt und verwandelt die unreinen Wahrnehmungen in das reine Gewahrsein der Leerheit.
Aus der Leerheit erscheint die Guru-Perle als die Hauptgottheit im Mandala und die anderen Perlen erscheinen als das Gefolge rundum. Dieser Teil der Gottheit ist die Meditation auf den Samayasattva (Verpflichtungswesen; tib., dam tshig pa). Als nächstes ruft man den Jnanasattva (Wesen uranfänglicher Weisheitserkenntnis; tib., ye shes pa) an. Man lädt den Jnanasattva ein herbeizukommen, zieht ihn heran, sodass er sich in den Samayasattva auflöst, genauso wie man es in einer Sadhana macht. Man lädt die Weisheitswesen aus ihren reinen Ländern im Raum vor einen ein. Dann lösen sie sich in die Mala auf und verweilen fest darin. Auf diese Weise wird jeder Teil der Mala zum gesamten Mandala. Das schließt die Hauptgottheit mit ein, sowie das Gefolge, die Lotossitze, den Schmuck, die Handsymbole, Farben usw.
Die Mala segnet man dadurch, indem man dann jede Silbe egal welchen Mantras 100.000 Mal rezitiert. Abgesehen davon bewirkt das auch gute karmische Resultate. Daher ist es äußerst wichtig, das so zu machen. [Anm.: Gewöhnlich spricht man für die tägliche Segnung der Mala einfach 100 Mal die Silben OM AH HUM, sodass die Mala mit Körper, Rede und Geist der Erleuchtung gesegnet sind.]
Die Mala repräsentiert nicht nur die Form der Gottheit, sondern auch die Rede der Gottheit. Wenn man beispielsweise das 100-Silben-Mantra rezitiert, dann repräsentiert die Guru-Perle die Silbe OM und die anderen Perlen repräsentieren die verbleibenden Silben.

Verwendung beim Zählen

Padmasambhava hat gesagt: „Wann immer man friedvolle Mantras rezitiert, dann benutzt man dafür die Daumenspitze, um mit der Mala zu zählen. Wenn man vermehrende Mantras rezitiert, dann verwendet man den dritten Finger. Verwende Ringfinger und Daumen beim Rezitieren von machtvollen Mantras und benutze den kleinen Finger, wenn zornvolle Mantras rezitiert werden.“ Verwendet nur die linke Hand, um Mantras zu zählen. Die rechte Hand wird selten benutzt, beispielsweise nur bei ein paar wenigen zornvollen Praktiken. In einigen Büchern wird gelehrt, sie mit beiden Händen zu verwenden, aber verwendet nicht nur die rechte Hand allein.
Welche Art von Praxis man auch macht, ob friedvoll, zornvoll, machtvoll oder vermehrend, man soll sich dabei immer bewusst sein, dass der Daumen ein Vajra-Haken ist, der die spirituellen Kräfte, die Gottheiten und anderen Segnungen herbeizieht. Es ist auch einfach, die Kugeln mit dem Daumen zu bewegen.

Der Text ist nicht besonders ausführlich, aber es gibt weitere Belehrungen, wie man die Kugeln der Mala bewegt, wenn man bestimmte Praktiken ausführt. In einigen zornvollen Praktiken schnepft man die Kugeln mit beiden Händen usw. Die Belehrungen, die erklären, wie man auf die Mala aufpasst, wann man sie nicht verwendet, kommen direkt aus dem Munde Guru Padmasambhavas. Wenn man die Mala wiederholt von großen Lehrern segnen hat lassen oder vom eigenen Lehrer und wenn man sie selbst als Teil der Gottheitenpraxis verwendet, dann sollte sie einem wie ein Schatten folgen. Man hält das Wurzel-Samaya der Vajra-Mala, indem man sie nie vom Körper trennt.“

Und um noch etwas zu diesem Thema vom Drikung Kyabgön Chetsang zu zitieren: „Die beste Mala ist aus Bodhicitta-Samen.“

Auf die Bitte des Ngawang Senge hat der Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2016) diese Belehrungen von Gyatrul Rinpoche in die deutsche Sprache übertragen, mit Überschriften versehen und kursive Anmerkungen gemacht. Möge es von Nutzen sein!

HIER kann man sich einen kurzen Text zum Segnen der Mala herunterladen! (Download)


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